PRESSEMELDUNG: BVfK kritisiert Hysterie um Tachomanipulation

BVfK-Pressemeldung

PRESSEMELDUNG

Bonn, 19. Januar 2018

BVfK kritisiert Hysterie um Tachomanipulation

BVfK kritisiert Hysterie um Tachomanipulation auf Grundlage unfundierter Schätzungen.

Der Umfang manipulierter Tachos ist ist wesentlich geringer und rechtfertigt keine Installation neuer Bürokratiemonster. Das Problem erledigt sich in wenigen Jahren von selbst.

Datenbanksysteme liefern nur trügerische Sicherheit und verursachen hohe Kosten, welche die Autobesitzer auch dann noch lange belasten werden, wenn es keine Manipulation mehr gibt.

BVfK: Es geht uns nicht um Bagatellisierung, sondern um eine sachliche Diskussion. Manipulationsschutz kann bereits heute mit geringem Aufwand erhöht werden.

Der Bundesverband freier Kfz-Händler, BVfK e.V. stellt fest, dass sämtliche Angaben zum Umfang der Tachomanipulation unrichtig sind und jeder seriösen Grundlage entbehren. Eine Übertreibung ums 10-fache ist ebenso unseriös, wie falsche Angaben zur Laufleistung. Dem BVfK sind keine Untersuchungen bekannt, die solche Behauptungen rechtfertigen, wie:

  • “Jeder zweite Kilometerstand ist manipuliert”
  • “30% aller Autos sind manipuliert”
  • “Jeder dritte Händler dreht am Tacho”

    Diese Zahlen entstammen lediglich völlig veralteten Amortisations-Hochrechnungen und Schätzungen aus Zeiten, wo Manipulationsgeräte nicht wie heute 150,- €, sondern über 10.000,- € kosteten. Eine weitere Grundlage stammt aus Polizeikreisen, als im Jahr 2011 in München und Umgebung ein Betrügerring aufflog, der in großem Stil hochwertige Gebrauchtwagen aus Italien mit manipulierten Tachos importierte.

    Aus der bei dieser einmaligen Razzia festgestellten Anzahl manipulierter Tachos (250 Fahrzeuge wurden lt. Autobild vom 13.1.2013 damals sichergestellt) eine gesamtdeutsche Hochrechnung zu begründen, ist allein schon deshalb falsch, da der Zulassungsanteil der aus Italien nach Deutschland importierten Gebrauchtwagen lediglich bei unter 0,2% liegt (6 Millionen Besitzumschreibungen, 9.000 GW-Importe aus Italien). Selbst wenn diese im Übrigen leicht erkennbaren Fahrzeuge alle manipuliert wären, hätte das auf die Gesamtquote in Deutschland nur einen marginalen Einfluss.
    Manipulationsquote sinkt seit Jahren kontinuierlich und liegt heute unterhalb von 5%. Regelmäßige Branchenuntersuchungen des BVfK ergeben: Im seriösen Kfz-Handel sind manipulierte Fahrzeuge nahezu ausgeschlossen, da professionelle Kfz-Händler Manipulationen in der Regel schnell herausfinden können. Die geringe Inanspruchnahme der BVfK-Tachogarantie im Promillebereich liefert den Beweis.
    Hersteller, Gesetzgeber und Ermittlungsbehörden tragen die Mitverantwortung für Tachobetrug:

  • Autohersteller weigerten sich Jahrzehnte, der Forderung von Handel und Verbrauchern nach manipulationsgeschützten Tachos nachzukommen.
  • Der Europäische Gesetzgeber hat diesem Druck endlich nachgegeben und einen solchen Wegstreckenzählern Ende 2017 als Voraussetzung für eine Typgenehmigung rechtlich verankert.
  • Das Gesetz, das Tachomanipulation unter Strafe stellt, ist nachbesserungsbedürftig. Es bietet den gewerblichen Tachodrehern immer noch Schlupflöcher.
  • Die Ermittlungsbehörden sind gegen die im Internet offen anbietenden „Justierer“ kaum aktiv. Diese gehen ungestört ihren Geschäften nach, mit denen sie im Übrigen gezielt die Kfz-Halter und nicht die Kfz-Händler ansprechen.
  • Datenschutz behindert Aufklärung. Die Fahrzeughistorie wurde durch Änderungen der Fahrzeugpapiere intransparent. Während der bis 2005 gültige Fahrzeugbrief noch über bis zu sechs Vorbesitzer informierte und Nachforschungen zur Fahrzeughistorie leicht ermöglichte, bietet die seitdem vorgeschriebene Zulassungsbescheinigung Teil II aus Datenschutzgründen nur noch Platz für zwei Eintragungen.

    Datenbanken bieten nur trügerische Sicherheit.
    Systeme in Belgien und den Niederlanden verhindern keinen Betrug. Wer manipulieren will, kann dies jederzeit und ohne viel Aufwand zwischen den Werkstattbesuchen erledigen. Dazu braucht es auch keine technischen Kenntnisse. In Folge können in diesen Ländern manipulierte Fahrzeuge sogar ein Sicherheit vorgaukelndes Zertifikat erhalten. Betrüger haben längst verstanden, das System zu missbrauchen.

    Das Problem erledigt sich von selbst.
    Das Problem erledigt sich von selbst und ohne ein neues Bürokratiemonster, das am Ende jeder Autofahrer mitfinanzieren muss, denn bereits seit Jahren spiegeln namhafte Kfz-Hersteller alle wichtigen Fahrzeugdaten auf eigenen Servern. Dies inzwischen sogar in Verbindung mit gesetzlichen Vorschriften, denn seit dem 1. Januar 2018 muss jedes neu zugelassene Fahrzeug über ein „eCall“ genanntes automatisches Notrufsystem verfügen. BMW, Mercedes, Peugeot, Citroën, Opel und Volvo bauen die entsprechenden Techniken bereits Jahren ein.

    Tachozertifikat.
    Der BVfK weist darauf hin, dass die so beim Hersteller gespeicherten Daten, wozu auch die Laufleistung zählt, vom Autobesitzer abgefordert und zum Nachweis der Laufleistung verwendet werden können. Dies wird in Verbindung mit den dank gesetzlicher Vorschrift gesicherten Wegstreckenzählern zu einem im Laufe der nächsten Jahre zunehmenden Rückgang der Tachomanipulation gerade bei jungen und hochpreisigen Gebrauchtwagen sorgen, die eher manipulationsgefährdet sind.
    Fragwürdige Interessen.

    Vor dem Hintergrund dieser Fakten, die eindeutig gegen die Installation von Datenbanken sprechen, muss man sich fragen, warum eine auf wirklichkeitsfremden und unbewiesenen Vermutungen aufbauende Initiative regelmäßig aufflammt? Fest steht: Eine solche Datenbank kann für die Betreiber ein großes Geschäft werden, denn sie würden nicht nur für jede Eintragung kassieren, sondern auch über äußerst wertvolle Daten verfügen.

    Daher lehnt der BVfK neben anderen führenden Kfz- und auch Verbraucherverbänden die Einführung eines Datenbanksystems zur vermeintlichen Bekämpfung des Tachobetrugs als unwirksam und in Kürze überflüssig ab.

    Kontakt:
    BVfK-Pressestelle Bonn
    Telefon: +49 228 85 40 910
    E-Mail: pressestelle@bvfk.de
    V.i.S.d.P.: Ansgar Klein

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