BVfK-aktuell April – der Kommentar
was haben ein 13-jähriger Jugendlicher, der bei NETTO eine Schokolade kaufen und ein Unternehmer, der einen Gebrauchtwagen verkaufen will, gemeinsam?
Sie können rechnen und die Preise vergleichen.
Und was unterscheidet die beiden? Der Erfolg derer, die ihre Interessen vertreten, oder meinen, sie vertreten zu müssen.
Der 13-Jährige weiß noch nichts von seinem Glück, dass ihn die Verbraucherzentrale ungefragt vor Diskriminierung bei NETTO schützt und ihm dabei auch noch die Mühe des Vergleichens und Rechnens abnehmen will. Man muss ihn auch nicht mehr zur Sparsamkeit erziehen, denn die Verbaucherschützer kümmern sich auch darum mit gesetzlicher oder gerichtlicher Hilfe.
Hat leider nicht funktioniert…
… und die Heranwachsenden, die noch keine 14 sind, bekommen weiterhin kein 2 % durch die NETTO-App geschenkt. Stattdessen ein paar Schritte zum nächsten Sonderposten, wo es auf die Schokolade keine 4, sondern 60 Cent Rabatt gibt.
Bemerkenswert auch: das Thema dominierte am 18. März 2026 Tagesschau, Bild-Zeitung, Focus u.v.a.m. Als das OLG Stuttgart zwei Tage darauf den Unsinn der Klage erkannte und diese abwies, fand sich an den prominenten Nachrichtenplätzen keine Silbe über das Scheitern und insbesondere über die Frage, wer solch Aberwitziges finanziert.
Allerdings fand sich auch weder dort noch überhaupt irgendwo etwas über die Warnung der Kfz-Verbände, dass ein bevorstehendes Gesetz zu einem Rohrkrepierer werden dürfte, wenn die Regeln des „Rechts auf Reparatur“ auch gebrauchte Kraftfahrzeuge betreffen sollte – wonach es derzeit aussieht. Denn man legte dar und begründete schlüssig, dass sowohl Verbraucher, wie auch Umwelt und Unternehmen gleichzeitig leiden würden, wenn die Lebensdauer wie auch die Gewährleistungsfrist unnötigerweise verlängert würden.
Doch es ist nicht nur unsere „freie Presse“, deren Auswahl bei der Berichterstattung nicht unbedingt den Regeln folgt, die man erwartet und die man sich auch selbst auferlegt hat. Es ist auch der Politikbetrieb, der schneller auf Diskriminierung und sexuelle Gewalt anspringt, als im Abgeordnetenbüro mal die Stellungnahmen der Verbände zur Elektroautoförderung oder zum Gesetz nachzulesen, das eigentlich für Toaster und Handys gedacht ist und zunächst nur versehentlich die Autos mit einbezogen hat.
Und plötzlich hat die Justizministerin schon wenige Tage nach der Schlagzeile über den Vorwurf einer nicht bewiesenen „virtuellen Vergewaltigung“ einer B-Prominenten mit Zweitwohnsitz auf Mallorca gegenüber ihrem Exmann einen Gesetzentwurf gegen Deepfakes mittels KI auf dem Schreibtisch. Sicherlich ein wichtiges Thema – doch warum erst jetzt und nicht früher?
Und es stellt sich auch die Frage, woran es liegt, dass es nahezu im gesamten Presse- und Politikbetrieb seit langem wichtiger ist, Verbraucher und Minderheiten zu schützen, als den Sorgen der Wirtschaft Gehör zu schenken?
Um die Antwort zu finden, reicht es nicht, darüber zu lamentieren, dass Quote und Auflage bei den Medien wichtiger sind als Objektivität. Und außerdem festzustellen, dass Politiker meinen, nur dann gewählt zu werden, wenn sie mit dem Strom schwimmen, auch wenn ihre ehemalige Volkspartei bei einer der letzten Landtagswahlen inzwischen auf kaum mehr als 5 % abgerutscht ist.
Wer als Verbandsvertreter die Interessen seiner Mitglieder und der Branche, in der sie tätig sind, wirkungsvoll vertreten will, muss sich auch dieser Realität stellen und die bedeutet, dass Lobbyarbeit für Unternehmen nur ein Bruchteil der Aufmerksamkeit erfährt, wie die der Verbraucher- und Minderheiten-Schützer.
Bedeutet: wir schwimmen bergauf und das kostet einfach viel Kraft und übrigens auch Geld. Nicht um Politiker zu kaufen, sondern um ihr Gehör zu finden, wozu das Entwerfen und Versenden von Stellungnahmen, wie sie im Gesetzesverfahren vorgesehen sind, nicht ausreichen. Es muss getrommelt werden, man benötigt ein Orchester aus Medien und Netzwerken, damit man an den richtigen Stellen in Berlin nicht nur an die Tür klopft, sondern diese auch geöffnet wird.
Wer sich nun fragt, warum das nicht geschieht, der muss sich mal vor der eigenen Haustüre umschauen. Nicht nur der Tür der Branchenverbände, sondern auch bei jedem einzelnen Unternehmen selbst. Da fehlt es meist an der nötigen Bereitschaft, in Politik zu investieren – oder wer von Ihnen wäre bereit, den mehrfachen Mitgliedsbeitrag zu bezahlen, damit wir in Berlin und Brüssel eigene Büros eröffnen können? Kostenpunkt incl. Personal sowie Canapés und Prosecco bei den Kamingesprächen rund eine Million pro Jahr.
Vermutlich nur wenige. Und das ist auch nicht schlimm, denn niemand würde Ihnen seriöserweise garantieren können, dass sich die Kasse Ihres Unternehmens anschließend schneller füllt oder langsamer entleert – und nur darum sollte es am Ende immer gehen.
Das gilt insbesondere dann, wenn man zwar ein sehr erfolgreicher Verband, wie der BVfK ist, allerdings nicht die komplette Branche vertritt. Das ist nach wie vor der ZDK, auch wenn er sich in den letzten Jahren zum Teil selbst zerlegt hat.
Und genau hier sind wir beim Problem, beziehungsweise bei einem der Gründe dafür, dass der BVfK in der gestrigen Pressemeldung dafür plädiert hat, die nach wie vor bestehende Führungsrolle des ZDK zu stärken. Wir sind überzeugt, dass Miteinander besser ist als Gegeneinander. Es geht nicht um Resignation oder Eingliederung in eine Organisation, die in vielen Bereichen überhaupt nicht zum freien Handel passt, sondern um kluge Strategien, um das Bestmögliche zu erreichen.

